Mein Vibe-Coding Projekt

Mein Vibe-Coding Projekt: Die Entstehung der DayCounter App – mit ChatGPT als Coding-Buddy

Vor mehr als zehn Jahren – genauer 2013 – habe ich Freunden zu ihrer Hochzeit ein kleines technisches Geschenk gemacht: eine personalisierte Android-App. Sie zeigte auf dem Homescreen die Anzahl der Tage an, die das Paar bereits verheiratet war. Die App verwendet ein Foto der beiden als Icon und beinhaltete eine Glückwunschnachricht. Ein Widget zur Platzierung auf dem Home-Screen zeigt die Tage aktuell an. Entwickelt hatte ich das Ganze damals in Eclipse, basierend auf einer Beispiel-App, die ich Stück für Stück abwandelte.

Die Zielversionen waren Android 2.2 bis 4.0 – android:minSdkVersion=“8″, android:targetSdkVersion=“15″. Die App lief viele Jahre … bis moderne Geräte und Android-Versionen schließlich ihren Dienst verweigerten. Mit der Zeit verlor ich außerdem meine damalige Entwicklungsumgebung – und das Projekt geriet in Vergessenheit.


Zurück ins App-Development — mit Android Studio und Vibe-Coding

Fast ein Jahrzehnt später hat mich die Lust wieder gepackt. Nicht als kommerzielles Projekt, sondern als persönliches Experiment. Ich wollte ausprobieren, ob ich eine moderne Version dieser Idee erschaffen kann. Dieses Mal mit Android Studio – und mit ChatGPT als „Co-Programmierer“.
So eine Programmierung nennt sich Vibe-Coding: Man hat eine Idee, schreibt sie nieder, ChatGPT liefert Ansätze, man diskutiert, probiert, verwirft, korrigiert und entwickelt sich gemeinsam zur Lösung.

Der Start war bewusst simpel: ein leeres Projekt, ohne großen Plan – nur mit dem Ziel, eine App zu entwickeln, die besondere Lebensmomente sichtbar macht. Mit jedem Schritt kamen neue Funktionen hinzu, neue Ideen, neue Herausforderungen. Aus der kleinen App wurde Stück für Stück ein durchaus ernstzunehmendes Projekt.


Die DayCounter App 🌟

Die App hilft, Tage, Monate und Jahre seit einem gewählten Startdatum zu zählen – Hochzeit, Projektstart, Jahrestag, persönliches Ziel … alles ist möglich.
Besonders fokussiert habe ich jedoch die Nutzung für Hochzeitstage, inklusive automatischer Benachrichtigungen zu besonderen Meilensteinen.

Features im Überblick

  • Startdatum frei wählbar – vom ersten Kennenlernen bis zum Firmenjubiläum
  • Individuelle Titel und persönliche Beschreibungen
  • Flexible Designs: Farbpaletten, Themes, Widget-Styles
  • Automatische Benachrichtigungen zu Meilensteinen
  • Homescreen-Widget mit Live-Update
  • Zuverlässiges Verhalten nach Geräte-Neustart

Aus einer Idee wurden am Ende mehrere voneinander getrennte Bereiche:

  • Hauptseite mit der eigentlichen Anzeige
  • Widget als Homescreen-Erweiterung
  • Einstellungen (Titel, Datum, Benachrichtigungszeit, Theme, Farben, Widget-Stil, Testbenachrichtigung)
  • Info-Seite zur App
  • Hilfe & Beschreibung
  • Datenschutz
  • Über diese App

Was ursprünglich ein kleines Hobbyprojekt sein sollte, hat sich zu einer vollwertigen, funktionalen App entwickelt.


ChatGPT als Entwicklerpartner — Möglichkeiten und Grenzen

Ich habe das Projekt zuerst mit der kostenlosen Version von ChatGPT begonnen. Schon dort konnte das Modell viel Output erzeugen, aber mit zunehmender Komplexität wuchs auch der Aufwand.
Mit dem Wechsel auf die Bezahlversion (ChatGPT 5.1) wurde das Ergebnis deutlich hilfreicher. Schneller, strukturierter, besser geeignet für echte Entwicklungsarbeit.

Aber eines ist wichtig: ChatGPT ist kein magischer Knopf.
Es gab unzählige Momente, in denen Fehler entstanden. Manchmal war ein import falsch, manchmal passte der Lifecycle nicht, manchmal wurden völlig unnötige Lösungswege vorgeschlagen. Besonders bei Android-Widgets oder Notification-Services kamen immer wieder Probleme auf, die den Prozess verlangsamten.

Es gibt also zwei Lektionen:

1. ChatGPT kann Code schneller liefern – aber nicht automatisch korrekt.

Wenn eine Funktion nicht klappt, muss man selbst hinterfragen:

  • Ist der Lösungsweg sinnvoll?
  • Wurde der Kontext korrekt übernommen?
  • Ist das Android-API noch aktuell oder schon veraltet?

Oft musste ich mehrere Antworten später wieder ein paar Schritte zurückspringen, konsolidieren und neu starten.

2. Verantwortung bleibt beim Entwickler.

ChatGPT kann Code generieren, Alternativen vorschlagen oder sogar Fehler erklären — aber die Entscheidung, welcher Ansatz passt, liegt immer beim Menschen.
Nur mit eigener Erfahrung, Fehlersuche und technischem Verständnis funktioniert das Projekt langfristig.


Was ich gelernt habe

Während des Projekts habe ich drei wesentliche Erkenntnisse gewonnen:

Selbstbestimmtes Entwickeln bleibt unverzichtbar

Auch wenn KI Vorschläge liefern kann, muss man eigenständig erkennen, welcher Code wirklich sinnvoll ist. Ohne eigene Einschätzung landet man schnell in Sackgassen.

Kleine Schritte sind besser als große Sprünge

Die besten Ergebnisse entstanden, wenn ich Funktion für Funktion implementiert und getestet habe. Komplexe Features wie Widgets oder Benachrichtigungen sollten nicht in einem einzigen Prompt entstehen, sondern schrittweise – mit klaren Aufgaben.

Struktur schlägt Verbessern um jeden Preis

Sobald ein Thread oder Prompt zu lang wurde, war ein Reset produktiver. Zusammenfassen, neu formulieren, weitergehen. Dadurch blieben Fokus und Codequalität erhalten.


Fazit

Aus einem kleinen Gedächtnisprojekt ist eine echte App geworden – und ein spannendes Experiment im KI-gestützten Coding.

DayCounter verbindet Nostalgie mit modernen Techniken:
Eine App, die persönliche Erinnerungen sichtbar macht, mit sauberem Code, anpassbarem Design und einer Bedeutung, die weit über reine Zahlensammelei hinausgeht. Zu finden ist die Demo-Variante auf meinem Android-App Kanal unter play.google.com/store/search?q=nuart73

Das Vibe-Coding war kein Sprint. Es war ein Lernprozess, ein Dialog zwischen Idee, Technik und KI. Und genau deshalb hat es sich gelohnt.

Natürlich hat sich das befreundete Paar mächtig gefreut, ein Update der App zu erhalten – und nun wieder jeden Tag sehen zu können, wie lange ihr Glück schon andauert.

Wenn ich heute die App auf meinem Smartphone sehe, denke ich nicht nur an Hochzeitstage oder vergangene Jahre – ich denke an die Reise von Eclipse zu Android Studio, von SDK 8 zu modernen APIs, und an die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Momentan ist die App noch nich über den Google PlayStore erreichbar, ich arbeite aber schon an einer individuellen und nicht personalisierten Variante.